Du hast mehrere Offerten für dein Logo, deine Website oder deinen Imagefilm erhalten – und die Preise liegen weit auseinander. Das ist normal. Kreative rechnen unterschiedlich, und oft steckt hinter dem tieferen Preis schlicht weniger Leistung. Wer nur den Endbetrag vergleicht, erlebt später Überraschungen. Mit diesen acht Punkten vergleichst du fair.
1. Ist der Umfang genau beschrieben?
Steht in der Offerte nur «Logo» oder «Website», ist das zu wenig. Eine gute Offerte beschreibt, was genau entsteht: Anzahl Entwürfe, Anzahl Seiten, Länge des Films, Anzahl Bilder. Je genauer, desto besser kannst du vergleichen.
2. Wie viele Korrekturrunden sind inbegriffen?
Zwei bis drei Korrekturrunden sind üblich. Was passiert danach? Steht ein Stundenansatz für zusätzliche Änderungen in der Offerte, weisst du, woran du bist.
3. Was ist nicht enthalten?
Achte auf Positionen, die gerne vergessen gehen:
- Bildrechte, Musiklizenzen und Schriften
- Texte (wer schreibt sie?)
- Druckkosten, Hosting, Domain
- Reisekosten und Spesen
- Übersetzungen
Steht etwas nicht in der Offerte, frag nach, bevor du zusagst.
4. Wer besitzt am Schluss die Rechte?
In der Schweiz bleibt das Urheberrecht ohne Vereinbarung bei der Person, die das Werk geschaffen hat. Kläre schriftlich, wofür du Logo, Fotos, Texte oder Film nutzen darfst – und ob du sie später verändern darfst.
5. Welche Dateien bekommst du?
Für ein Logo brauchst du Vektordateien, für eine Website den Zugang zur Verwaltung, für einen Film mehrere Formate. Frag auch, ob du Rohdaten oder offene Arbeitsdateien bekommst und was das kostet.
6. Wie sieht der Zeitplan aus?
Wann ist der Start, wann die erste Präsentation, wann der Abschluss? Und was passiert, wenn du für Rückmeldungen länger brauchst? Ein realistischer Zeitplan ist mehr wert als ein knapper, der dann nicht eingehalten wird.
7. Wie wird bezahlt?
Üblich sind Anzahlungen von 30 bis 50 Prozent, der Rest bei Abschluss. Bei grösseren Projekten wird oft in Etappen bezahlt. Prüfe auch: Ist die Mehrwertsteuer inbegriffen oder kommt sie dazu? Bei Unternehmen ohne MWST-Pflicht fällt sie weg.
8. Passt die Person zu dir?
Ein kreatives Projekt ist Zusammenarbeit. Wie schnell und klar hat die Person geantwortet? Hat sie Fragen gestellt, die zeigen, dass sie dein Anliegen verstanden hat? Passen ihre Arbeitsproben zu deinem Geschmack? Diese weichen Faktoren entscheiden oft mehr über das Ergebnis als ein paar hundert Franken.
Offerten richtig einholen
Gleiche Offerten bekommst du nur, wenn alle die gleichen Informationen haben. Schreib dein Projekt deshalb einmal sauber auf – mit Ziel, Umfang, Termin und Budget. Eine Anleitung findest du in unserem Artikel Das perfekte Briefing.
Am einfachsten geht es mit einer Ausschreibung: Du beschreibst dein Projekt einmal, und passende Kreative schicken dir Offerten mit Preis, Lieferzeit und Leistungsbeschreibung – direkt vergleichbar auf einer Seite. Projekt ausschreiben
Vergleichstabelle für deine Offerten
Erstelle eine einfache Tabelle mit diesen Zeilen und trage für jede Offerte die Werte ein:
- Preis (inklusive oder exklusive MWST)
- Leistungsumfang
- Korrekturrunden
- Nicht enthaltene Kosten
- Nutzungsrechte
- Gelieferte Dateien
- Zeitplan
- Zahlungsbedingungen
- Eindruck aus dem Kontakt
So siehst du auf einen Blick, wo die Unterschiede liegen.
Warnsignale in einer Offerte
Manche Offerten sehen günstig aus, werden aber teuer. Sei vorsichtig bei:
- Pauschalen ohne Beschreibung – «Website komplett: CHF 990» sagt nichts darüber, was du bekommst.
- Unklaren Nebenkosten – etwa «Bildrechte nach Aufwand» oder «Hosting extra» ohne Betrag.
- Langen Vertragslaufzeiten – zum Beispiel Website-Mieten, die du vier Jahre lang nicht kündigen kannst.
- Fehlenden Rechten – wenn Logo oder Website rechtlich nicht dir gehören, bist du abhängig.
- Druck – «Nur heute zu diesem Preis» ist bei kreativen Leistungen kein seriöses Argument.
Ein Beispiel
Zwei Grafiker offerieren ein Logo: Anbieter A für CHF 900, Anbieter B für CHF 1800. Auf den ersten Blick ist A günstiger. Beim genauen Lesen zeigt sich: A liefert einen Entwurf, eine Korrekturrunde und nur PNG-Dateien. B liefert drei Entwürfe, drei Korrekturrunden, alle Vektordateien, eine Visitenkarte und überträgt die Nutzungsrechte vollständig. Wer später Beschriftungen, Drucksachen und Werbung plant, fährt mit B günstiger.
Häufige Fragen
Wie viele Offerten sollte ich einholen?
Zwei bis vier sind ideal. Mehr bringt selten neue Erkenntnisse und kostet dich und die Anbieter viel Zeit.
Darf ich über den Preis verhandeln?
Ja. Sinnvoller als ein Rabatt ist oft, den Umfang anzupassen: weniger Seiten, ein Entwurf statt drei, ein Drehtag statt zwei.
Ist die günstigste Offerte die schlechteste?
Nicht unbedingt. Aber wenn sie deutlich tiefer liegt als die anderen, prüfe genau, was fehlt.
Fazit
Vergleiche nie nur den Endpreis. Prüfe Umfang, Korrekturen, Zusatzkosten, Rechte, Dateien, Zeitplan, Zahlungsbedingungen und die Zusammenarbeit. Dann findest du nicht das billigste, sondern das beste Angebot für dein Projekt.